“Tempel aus der Zeit vor 5600 Jahren, arabische Wurzeln der Sprache, Kreuzritter, Napoleon, Zweiter Weltkrieg. Malta ist ein lebendiges Geschichtsmuseum.”
Malta ist einer der am dichtesten besiedelten und zugleich historisch am stärksten verdichteten Orte der Welt. Auf 316 km² gibt es mehr UNESCO-Stätten pro km² als in fast jedem anderen Land. Ohne den historischen Kontext ist schwer zu verstehen, warum dieses kleine Land so außergewöhnlich ist.
Malta besitzt einige der ältesten freistehenden Bauwerke der Welt. Die Megalithtempel — Ħaġar Qim, Mnajdra, Tarxien, Ġgantija auf Gozo — entstanden zwischen 3600 und 2500 vor unserer Zeitrechnung. Sie sind Jahrhunderte älter als Stonehenge (3000 v. Chr.) und die großen Pyramiden (2560 v. Chr.).
Wer hat sie gebaut? Eine geheimnisvolle Tempelkultur, über die wir fast nichts wissen. Sie verschwand um 2500 v. Chr. plötzlich und hinterließ keine schriftlichen Spuren. Das Ħal-Saflieni-Hypogäum — ein unterirdischer Tempel und eine Grabstätte — birgt die Knochen von mehr als 7000 Menschen.
Nach den „rätselhaften Baumeistern“ wurde Malta von aufeinanderfolgenden mediterranen Mächten kolonisiert. Die Phönizier (800 v. Chr.) hinterließen sprachliche und handelstechnische Spuren. Die Griechen gaben den Inseln ihre Namen (Melite = Malta). Karthago kontrollierte die Inseln, bevor Rom sie 218 v. Chr. eroberte.
Der christlichen Überlieferung zufolge erlitt der Heilige Paulus im Jahr 60 n. Chr. vor Malta Schiffbruch und bekehrte die Einwohner. Die Malteser nehmen diesen Moment ernst — der Katholizismus ist hier besonders lebendig.
Die Araber herrschten 220 Jahre über Malta, und genau in dieser Zeit entstand die maltesische Sprache — die einzige arabische Sprache, die mit lateinischen Buchstaben geschrieben wird, und die einzige semitische Sprache mit offiziellem Status in der EU. Im Maltesischen finden sich heute arabische Wurzeln (ħobż = Brot, ilma = Wasser), vermischt mit italienischen, englischen und anderen Einflüssen.
1530 ist ein entscheidendes Jahr. Karl V. von Habsburg übergab dem Johanniterorden (Malteserritter, Hospitaliter) die Insel Malta als Sitz. Der Orden baute Valletta, befestigte den Grand Harbour und verteidigte Europa gegen das Osmanische Reich.
Suleiman der Prächtige entsandte eine Flotte mit 40 000 Soldaten. Die Ritter (etwa 700 Ritter plus mehrere tausend Malteser) hielten einer viermonatigen Belagerung stand. Der türkische Feldzug zog sich zurück. Malta wurde zum legendären Symbol des Widerstands.
Valletta — nach der Belagerung 1566 entworfen — ist eine der ersten Städte, die als Festung „aus dem Nichts“ erbaut wurden. Heute gehört sie zum UNESCO-Welterbe.
Napoleon besetzte Malta 1798 innerhalb von 3 Tagen (die Ritter ergaben sich kampflos). Die Malteser vertrieben die Franzosen mit britischer Hilfe — und überließen die Insel 1800 freiwillig den Briten.
Unter britischer Herrschaft wurde Malta zu einem wichtigen Marinestützpunkt. Im Zweiten Weltkrieg gehörten die Inseln zu den am stärksten bombardierten Orten der Welt (1942) — mit mehr als 3000 Luftangriffen. König Georg VI. verlieh Malta das Georgs-Kreuz — eine militärische Auszeichnung, die normalerweise einzelnen Personen verliehen wird.
Malta erlangte 1964 die Unabhängigkeit. 2004 trat das Land der Europäischen Union bei.
| Epoche | Ort | Was Sie sehen |
|---|---|---|
| Vorgeschichte | Ħal-Saflieni-Hypogäum | Unterirdischer Tempel und Grabstätte (frühzeitig reservieren!) |
| Vorgeschichte | Ħaġar Qim und Mnajdra | Megalithtempel unter freiem Himmel |
| Ritter | Valletta | St.-Johannes-Kathedrale, Großmeisterpalast |
| Belagerung 1565 | Fort St. Elmo | Belagerungsmuseum, Blick auf beide Häfen |
| Ritter | Birgu (Vittoriosa) | Fort Sant'Angelo, Maritime Museum |
Für das Hypogäum sind Eintrittskarten sogar einen Monat vor dem Besuch ausverkauft — reservieren Sie online, sobald Sie Ihr Reisedatum kennen. Valletta und Birgu erkunden Sie am besten zu Fuß — alles liegt nah beieinander, und die Atmosphäre der mittelalterlichen Gassen ist beeindruckend.